Traumtour mit dem Gravel von Aying im Münchner Süden: 120 km über Schliersee, den Elendsattel zur Valepp und zum Tegernsee
Das ist vielleicht die schönste Gravel-Runde im Münchner Süden – zumindest ist es meine Lieblingsrunde: 120 Kilometer und rund 1.700 Höhenmeter, startend direkt am S-Bahnhof Aying, über Schliersee und Bayrischzell durchs Kloaschtal hinauf zum Elendsattel und durch die wilde Valepp hinunter zum Tegernsee. Eine Runde, die alles hat: schnellen Asphalt, feinen Schotter, eine knackige Schiebepassage und eine der schönsten Abfahrten der Bayerischen Voralpen.
Die Tour in Zahlen
| Start/Ziel | Bahnhof Aying (S-Bahn ab München) |
| Distanz | ca. 120 km |
| Höhenmeter | ca. 1.700 hm |
| Untergrund | Schotter- und Forstwege, am Elendsattel grob, Asphalt, Radwege, |
| Bike | Gravel Bike, am Elendsattel kurze Schiebepassage möglich |
| Verpflegung | Mehrere Wasserstellen unterwegs, Einkehr in Miesbach, Bayrischzell, am Tegernsee und in Aying |
Das Video zur Tour
Die komplette Runde mit allen Eindrücken, der Schiebepassage am Elendsattel und der Abfahrt durch die Valepp siehst du hier im Video:
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Von Aying ins Mangfalltal
Los geht es am Bahnhof Aying – perfekt mit der S-Bahn aus München erreichbar, oder du stellst dein Auto dort ab. Über Nebenstraßen rollt es sich zügig Richtung Weyarn, wo wir auf den Mangfalltal-Radweg abbiegen. Hier warten gleich zwei kurze, aber fiese Steigungen zum Warmfahren. Genau das liebe ich am Gravel Bike: eben noch mit 50, 60 km/h auf der Straße, im nächsten Moment auf Schotter-Waldwegen entlang der Mangfall.
Ein Tipp für unterwegs: Am Taubenberg gibt es eine Quelle direkt am Weg – eine von mehreren Wasserstellen auf dieser Runde. Supermarkt oder Tankstelle braucht es auf dieser Tour eigentlich nicht.
Miesbach, Schliersee und Bayrischzell
In Miesbach lohnt ein Abstecher auf den Marktplatz, wenn du Lust auf ein Eis hast. Weiter geht es entlang der Schlierach zum Schliersee. Wichtig: Fahre auf der Westseite (rechts herum, Richtung Campingplatz) auf dem Radweg. Die Ostseite hat keinen Radweg – dort bist du mit dem Rad nur ein Verkehrshindernis. Auf dem Rad- und Fußweg gilt: Rücksicht auf Fußgänger und Kinder, das ist kein Freifahrtsschein zum Rasen.
Hinter dem See folgt ein kleiner Anstieg, den ich jedes Mal unterschätze, dann geht es durch Neuhaus auf die Trasse des Bodensee-Königssee-Radwegs weiter nach Bayrischzell. Der Radweg Richtung Thiersee verläuft wunderschön durch den Wald, vorbei am Silberwasserfall mit Kneippbecken.
Kloaschtal und Elendsattel: das Herzstück
Am ehemaligen Gasthaus Zipflwirt geht es rechts ins Kloaschtal – und hier wird man für die bisherigen rund 70 Kilometer mit einer atemberaubenden Aussicht belohnt. Der Anstieg zum Elendsattel hat es allerdings in sich: Es wird zunehmend grober und steiler. Mit meiner Original-Übersetzung (SRAM Force XPLR, 10–46) und relativ schmaler Race-Bereifung musste ich rund 100 bis 150 Meter schieben – bei durchdrehenden Reifen und Puls Richtung 190 keine Schande. Wer hier komplett fahren will, nimmt breitere Reifen und eine kleinere Übersetzung, etwa eine Garbaruk-Kassette mit 10–52.
Oben am Elendsattel angekommen kann ich nur sagen: So elendig ist der gar nicht. Die Aussicht ist traumhaft – und die Schotterabfahrt in die Valepp gehört zum Besten, was diese Runde zu bieten hat. Mein Tipp: vor der groben Passage etwas Luft aus den Reifen lassen, das hat bei mir hervorragend funktioniert.
Forsthaus Valepp: Rote und Weiße Valepp
Unten im Tal wartet das Forsthaus Valepp – Fußballfans kennen es, denn es wird von Manuel Neuer und einem Partner betrieben. Hier stehst du an einem geografisch spannenden Punkt: Wer rechts hinauf zum Spitzingsee fährt, folgt der Roten Valepp, dem einzigen Abfluss des Spitzingsees. Wer wie ich geradeaus an der Monialm vorbei Richtung Tegernsee rollt, fährt entlang der Weißen Valepp, die aus dem Suttengebiet kommt. Direkt unterhalb des Forsthauses vereinigen sich beide zur Valepp – und das Verrückte: Das Wasser fließt nicht Richtung Schliersee, sondern nach Süden über Österreich in den Inn. Der Spitzingsattel bildet hier die Wasserscheide.
Über die Monialm zum Tegernsee und zurück nach Aying
Die Mautstraße über die Monialm hinunter zum Tegernsee ist die perfekte Belohnung für den Elendsattel. Am Tegernsee selbst wird es dann trubelig – Autos, Motorräder, Touristen. Sobald du aber den Radweg auf der Westseite erreicht hast, ist es entspannt. Von Gmund geht es an der Papierfabrik vorbei über Nebenstraßen aus dem Tegernseer Tal, über Festenbach, Wall und Warngau, dann über Valley und Kreuzstraße zurück nach Aying. Dort warten zum Abschluss zwei wunderschöne Biergärten – die Einkehr hast du dir nach 120 Kilometern verdient.
Mein Setup auf dieser Tour
Gefahren bin ich mein Trek Checkmate SLR mit SRAM Force XPLR und der Originalkassette (10–46 Zähne) – für den Elendsattel grenzwertig, aber machbar. Gefilmt habe ich mit der Insta360 X4 Air am neuen 2-in-1 Selfie-Stick mit integriertem Stativ. Das Teil ersetzt mir zwei Ausrüstungsgegenstände auf einmal: Bisher hatte ich immer Selfie-Stick und ein separates Dreibein dabei, jetzt reicht ein einziges Teil. Die X4 Air überzeugt mich vor allem durch ihr Gewicht – bei Tageslicht steht sie der X5 in nichts nach, und die Stabilisierung meistert selbst die Montage direkt am Vorbau auf grobem Schotter.
Fazit
Diese Runde vereint alles, was Gravel im Münchner Süden ausmacht: schnelle Radwege, einsame Forststraßen, einen fordernden Alpenpass und zwei der schönsten Seen Bayerns in einer einzigen Tour. Wer die Strecke als GPX nachfahren möchte: Schreib es mir in die Kommentare unter dem Video – bei genug Interesse stelle ich die Route zum Download bereit.
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