Werbung: Affiliate-Links (mit * gekennzeichnet). Wenn du über diese Links kaufst, unterstützt du BERGBIKER – ohne Mehrkosten für dich.
Rennrad Alpencross München – Gardasee nonstop an einem Tag
370 km, 2.700 hm, 17:46 Stunden. Start in der Nacht, Ankunft im Dunkeln am Lago – und dazwischen: Brenner, Etschtal, Gegenwind und ein ziemlich intensives Kopfkino.
Die Idee hatte ich schon lange: Nach meiner ersten Rennrad-Alpenüberquerung 2014 wollte ich irgendwann wissen, ob ein Alpencross an nur einem Tag möglich ist – ohne Organisation, ohne Support-Car, ohne Plan für Rückfahrt oder Unterkunft.
Wichtig: Ich bin den Alpencross komplett alleine gefahren – ohne Support und ohne festen Windschatten-Partner. Und ja: Ich hatte Gepäck auf dem Rücken, einen Evoc-Rucksack. Heute würde ich das anders lösen – mit Bikepacking-Taschen statt Rucksack.
Entschieden habe ich das dann… typisch: am Morgen davor. Also Bikepacking-Tasche („Arschrakete“) ans Rad, ein kleiner Rucksack für die Heimreise – und los.
Quick Stats
- Distanz: 369,46 km
- Höhenmeter: 2.671 hm
- Fahrzeit: 17:46:29
- Ziel: Torbole / Riva del Garda
- Start: Nachtstart ab Raum München/Aying

Update 02/2026: Mit welchen Insta360-Kameras ich heute filme
Damals (2021) habe ich den Alpencross mit meiner ersten 360°-Kamera gefilmt. Diese Kamera gibt es inzwischen nicht mehr – daher hier mein aktuelles Setup (Stand 02/2026):
Video: Alpencross nonstop – München nach Gardasee
Setup damals vs. heute: Evoc-Rucksack (2021) – heute Bikepacking
2021 bin ich mit einem Evoc-Rucksack gefahren. Das war pragmatisch, aber nach vielen Stunden merkst du es: Schultern/Nacken, ein weniger ruhiger Oberkörper, und du schwitzt deutlich mehr.
Heute würde ich es anders machen: Für so eine lange Strecke würde ich das Gewicht konsequent vom Rücken ans Rad bringen – Satteltasche, Rahmentasche, Top-Tube-Bag und ggf. eine kleine Lenkertasche. Das fährt sich entspannter, aerodynamischer und du bleibst länger „locker“ im Oberkörper.
- Damals: Evoc-Rucksack + „Arschrakete“
- Heute: Bikepacking-Taschen (Sattel/Rahmen/Top-Tube/Lenker) – Rücken frei

Bock auf 370 km und 2.700 hm am Stück?
Ich hatte eine Woche Urlaub und war mitten in der Saison recht fit. Die Wochen davor bin ich viele längere Touren gefahren – regelmäßig über 100 km, auch über 200 km. Und ich hatte einfach richtig Lust, endlich wieder nach Italien zu kommen.
Montagabend um 19:30 Uhr ab ins Bett – nur: Schlafen war eher so mittel. Um 23:30 Uhr klingelt der Wecker, und ich falle fast aus allen Wolken: Sturm und Regen. Nicht angesagt. Das Wetterradar zeigt eine kurzfristige Zelle genau über mir. Also: ruhig bleiben, essen, warten – und etwa 45 Minuten später starten.
Um 0:45 Uhr rolle ich los, mit kurzer Regenhose, weil die Straßen noch nass waren.
Die Route: Nachtstart, leere Straßen, Achensee-Radweg, Brenner
Die Route stand im Kern fest, aber für den Nachtstart habe ich bewusst ein paar Dinge angepasst: lieber beleuchtet auf leeren Straßen, weniger Radwege. Auf den ersten 120 km bin ich ungefähr zehn Autos begegnet – das war fast surreal.
Wichtig: Rund um den Achensee muss ich auf den Radweg. Die Straße mit den Tunneln ist dort für Radfahrer explizit verboten – und daran halte ich mich selbstverständlich.
Ich fahre direkt Straße von Aying über Holzkirchen nach Bad Tölz und Lenggries zum Sylvenstein-Speicher, weiter zum Achensee – dann um den See auf dem Radweg. Die Abfahrt nach Jenbach ist offen, und ich schieße in der Nacht hinunter ins Inntal. Während ich Richtung Innsbruck rolle, geht langsam die Sonne auf.
Kurz vor Innsbruck verpasse ich die Auffahrt nach Ampass/Aldrans, weil ich mich etwas verfahre. Kleiner Umweg, dann geht’s nach rund 125 km endlich richtig bergauf. Weiter über die alte Römerstraße durch Lans, Patsch und Pfons bis nach Matrei. In Matrei führt mich die alte Römerstraße auf die Brennerstraße – und bei Kilometer 165 stehe ich oben am Brennerpass.
Da hatte ich bereits über 2.000 Höhenmeter in den Beinen und war ehrlich gesagt ziemlich durch. Am Brenner treffe ich Mira, Matthias und Jannick – auch sie fahren einen Nonstop-Alpencross.

Gegenwind oder Berg?
Ab jetzt geht es tendenziell bergab – nur leider bläst ein ordentlicher Gegenwind. Zum Glück kam ich gerade frisch aus dem „niederländischen Gegenwind-Trainingscamp“ (Holland-Urlaub inklusive Dauerwind).
Bis Gossensaß bleibe ich auf dem Radweg. Ich wollte das bei Tageslicht sehen – beim nächsten Mal würde ich hier aber abkürzen. Schön, aber ein deutlicher Umweg.
Weiter geht’s an Sterzing und Brixen vorbei durchs Eisacktal. Kurz vor Bozen wechsle ich wieder auf den Radweg – quer durch die Stadt, Tempo runter, der „Downhill“ ist vorbei. Es wird zäh, und im Kopf läuft permanent die Rechnung: Wie viele Kilometer sind das jetzt noch?
Dann kommt der Motivations-Boost: Ein Anruf. Meine Familie holt mich am See ab – und wir bleiben sogar noch zwei Tage. Da hätte ich mir den schweren Rucksack sparen können… aber egal. Jetzt zählt nur noch: durchziehen.
Hinter Bozen fließt die Eisack in die Etsch. Ab jetzt geht es über den Etschtalradweg über Trento bis kurz hinter Rovereto.
Solo heißt nicht automatisch einsam: Auch wenn ich ohne Support und ohne festen Windschatten-Partner gestartet bin, hat sich im Etschtal immer mal wieder ein kleines Groupetto ergeben. Ich erinnere mich noch an eine Gruppe junger Radfahrer – locker, respektvoll, einfach guter Vibe. Das Mädel in der Gruppe war später sogar in den Top-Platzierungen beim Ötztal-Marathon. Wir folgen uns bis heute auf Strava – daher weiß ich das überhaupt. In so Momenten merkst du, wie viel Community in diesem Sport steckt: ein paar Kilometer gemeinsam, kurzer Austausch, gegenseitiger Push – und dann zieht wieder jeder seinen Film weiter.
Kurz vor Trento überholt mich eine schnelle Rennradgruppe – mit dabei Mira, Matthias und Jannick. Sie ziehen mich ein paar Kilometer im Windschatten mit. Nach über 300 km ist das wie ein Turbo-Boost. Aber: Das Tempo ist mir mit Gepäck auf Dauer zu hoch – ich lasse abreißen und kämpfe mich alleine weiter.
Es ist wieder dunkel, als ich am Gardasee in Torbole ankomme. Ich werde von meiner Familie empfangen – und bin einfach nur froh.
Fazit: Extrem fordernd, mental wie physisch. Aber genau diese Art Abenteuer bleibt hängen – und ist absolut wiederholenswert.
After-Finish: Nach 369,46 km, 2.671 hm und 17:46:29 stehe ich am Strand von Riva del Garda.
Learning für heute: Die Strecke würde ich jederzeit wieder fahren – aber das Gepäck würde ich konsequent in Bikepacking-Taschen verteilen. Rücken frei = länger effizient, weniger Stress im Oberkörper.
GPS: Nonstop Rennrad Alpencross (Komoot)
Ich habe diese Route auf Komoot geplant: HIER gehts direkt zu der Route auf Komoot
Fotos: Rennrad Transalp an einem Tag
Meine Insta360 Bike-Setup-Empfehlung für solche Touren
Wenn du ähnliche Ultra-Langstrecken fährst, ist für mich das Setup aus 360°-Kamera + sicherer Bike-Mount + langem Selfie-Stick am flexibelsten – vor allem, weil du später den Bildausschnitt frei wählen kannst.
<h2>FAQ: Nonstop Alpencross München – Gardasee mit dem Rennrad</h2>
Ist die Straße mit den Tunneln am Achensee wirklich für Radfahrer verboten?
<p>Ja, dort gibt es Abschnitte/Tunnel, die für Radfahrer gesperrt sind. Deshalb bin ich rund um den Achensee auf den Radweg ausgewichen.</p>
Wie fit muss man für München–Gardasee an einem Tag sein?
<p>Das ist keine „mal ausprobieren“-Tour. Sinnvoll ist eine solide Langstreckenbasis: regelmäßige 150–200-km-Touren, stabile Ernährung/Trinken-Strategie und die Fähigkeit, über viele Stunden im Grundlagentempo zu fahren. Wenn 200 km bereits grenzwertig sind, wird es hinten raus sehr zäh.</p>
Welche Pace/Zeit ist realistisch?
<p>Die Spanne ist groß. Viele planen grob mit 16–24 Stunden „door to door“, je nach Strecke, Wind, Stopps und Fitness. Entscheidender als ein Schnitt ist ein Tempo, das du auch nach 12–15 Stunden noch treten kannst.</p>
Nachtstart oder lieber morgens losfahren?
<p>Nachtstart hat Vorteile: weniger Verkehr, kühle Temperaturen bis zum Brenner und du kommst im Idealfall vor dem stärksten Gegenwind im Etschtal voran. Nachteil: du brauchst gutes Licht, saubere Navigation und musst mit Müdigkeit umgehen. Viele fahren bewusst unter der Woche, weil dann insgesamt weniger Verkehr ist.</p>
Wie gefährlich ist die Strecke nachts? (Verkehr, Sichtbarkeit)
<p>Das hängt stark von Route und Wochentag ab. Ich bin nachts bewusst eher auf leeren Straßen gefahren und habe Radwege teilweise gemieden, weil sie unübersichtlich sein können (Poller/Abzweige). Pflicht: starkes Frontlicht, Rücklicht, reflektierende Elemente und defensives Fahren.</p>
Wie löst man Navigation am besten? Komoot/GPX/Backup?
<p>Ich würde immer zweigleisig fahren: Route auf dem Radcomputer + Backup am Smartphone (offline Karte). Power-Management ist entscheidend (Akkus/Powerbank). Gerade bei Nachtstart ist ein zuverlässiger Track Gold wert.</p>
Welche Strecke ist besser: komplett Radweg oder mehr Straße?
<p>Radweg ist oft entspannter, kann aber zäh werden (Stopps, Querungen, langsamer Schnitt). Straße ist flüssiger, aber verkehrsabhängig. Für die Nacht wählen viele eher Straße (bei wenig Verkehr) und wechseln tagsüber auf sichere Radwegabschnitte – immer mit Blick auf Verbote/Regeln.</p>
Wie schlimm ist der Gegenwind im Etschtal wirklich?
<p>Sehr oft ein Thema. Wind kann ab Mittag deutlich werden, und wenn der Bergteil vorbei ist, fühlt sich das Tal bei Gegenwind endlos an. Ich hatte dort spürbaren Gegenwind – mental einer der härtesten Teile.</p>
Was ist mental der schwierigste Abschnitt?
<p>Bei vielen ist es das „lange Tal“: Bozen–Trento–Rovereto, wenn du denkst „jetzt müsste es laufen“, aber Wind/Monotonie/Hitze reinschlagen und der Kopf permanent Restkilometer rechnet.</p>
Wie viele Stopps sind sinnvoll – und wie lange?
<p>Wenige, aber zielgerichtet. Kurze Stopps (Wasser auffüllen, essen nachladen, kurz dehnen) sind effizienter als lange Pausen. Der Klassiker ist: am Anfang nicht überziehen, dafür hinten raus nicht komplett zerfallen.</p>
Essen & Trinken: Was funktioniert auf 17–20 Stunden?
<p>Mischung aus „sicher verträglich“ und „ständig nachlegen“: Kohlenhydrate über Riegel/Gels/Brötchen/Banane plus Elektrolyte. Wichtig ist, früh zu beginnen (nicht warten, bis der Hunger kommt). Im Tal/bei Hitze eher mehr trinken und Salz nicht vergessen.</p>
Welche Ausrüstung ist Pflicht? (Licht, Kleidung, Notfall)
<p>Gutes Frontlicht + Rücklicht, warme Schicht für Nacht/Abfahrt, Regenoption, Tool/Schlauch/CO₂ oder Pumpe, Mini-Erste-Hilfe, Ausweis/Geld. Und: Plan B für Akku/Navigation.</p>
Rucksack oder Bikepacking-Taschen – was ist besser?
<p>Ich bin 2021 mit Evoc-Rucksack gefahren. Machbar, aber über viele Stunden belastet das Schultern/Nacken, du schwitzt mehr und der Oberkörper wird unruhiger. Heute würde ich das Gewicht konsequent ans Rad bringen: Satteltasche, Rahmentasche, Top-Tube-Bag (ggf. kleine Lenkertasche). Rücken frei ist auf langen Tagen ein echter Vorteil.</p>
Solo fahren oder mit Gruppe?
<p>Solo bedeutet: du regelst alles selbst (Pacing, Pausen, Kopf). Gleichzeitig kann es unterwegs kurze Groupetto-Momente geben – gerade im Etschtal. Genau das ist der Community-Gedanke am Rennrad: ein paar Kilometer gemeinsam, kurzer Austausch, gegenseitiger Push – und dann fährt jeder seinen Film weiter.</p>
Was ist mit Rückfahrt/Übernachtung am Gardasee?
<p>Viele planen gar nicht groß, weil die Hauptaufgabe erstmal „ankommen“ ist. Typisch sind Abholung, Zug/Bus (je nach Start/Ziel) oder ein paar Tage Erholung am See.</p>
Welche Jahreszeit ist am besten?
<p>Später Frühling bis früher Herbst ist am gängigsten. Zu früh kann es am Brenner kalt sein, zu heiß wird es oft im Tal. Entscheidend sind Wetterfenster und Wind – und dass du für Nacht/Früh morgens warm genug angezogen bist.</p>
Warum machen Leute das überhaupt? (Der „Why“-Faktor)
<p>Weil es ein persönliches Abenteuer ist – ein langer Tag im Sattel, der im Kopf bleibt. Und weil man irgendwann wissen will, ob man es schafft.</p>




















































3 Kommentare